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Ronde van Vlaanderen wieder mit lippischen Teilnehmern

von Olli Nolte

Frühjahrszeit ist Klassikerzeit! Deshalb ging es am ersten April Wochenende zusammen mit Freddie vom RC Sprintax nach Belgien, um auf den Straßen von Flandern die 101. Ronde zu bewältigen. Wir versammelten uns in den dunklen und kühlen Morgenstunden, zusammen mit tausenden Freuden des ruppigen Pflasters, auf dem Marktplatz von Antwerpen. Pünktlich um 7 Uhr ging es los in Richtung Flamse Ardennen. Da die ersten 100km flach und recht unspektakulär in Richtung Oudenaarde verliefen, hieß es Körner sparen, denn dort geht das jährliche Leiden erst richtig los. Die Wettervorhersage stimmte mich vor dem Start etwas zu optimistisch. Bei einstelligen Temperaturen und einer kaum zu erwähnenden Regenwahrscheinlichkeit, beließ ich es bei Kurz-Kurz und einer Windweste. Dies stellte sich jedoch als leichte Fehleinschätzung heraus. Pünktlich nach dem Start fing es an zu tröpfeln. Als wir Antwerpen in Richtung Westen verlassen hatten, wurdeaus dem Tröpfeln ein ernstzunehmender Regen. Die Temperatur fiel auf 6 Grad und zusammen mit dem Spritzwasser des Feldes waren wir nach einer guten Viertelstunde nass bis auf die Knochen. Die Finger wurden steif und das Wasser stand uns in den Schuhen. Zusammen mit dem Dreck und Matsch der Landwirtschaftlichen Wege sahen wir auch nach kürzester Zeit aus wie die Schweine. Jetzt hieß es Zähne zusammen beißen und positiv denken. In weiter Ferne sahen wir eine sich deutlich abzeichnende Wolkenkante, die uns Hoffnung machte. Nach zwei Stunden endete der Regen und je näher wir der Wolkenkante kamen umso wärmer wurde es. Die Straßen waren bereits abgetrocknet als wir die ersten flachen Kopfsteinpflasterabschnitte erreichten. Ab jetzt galt das Motto: „Je schneller, desto erträglicher“. Fährt man die Katzenköpfezu langsam wird es zu ruppig und man verliert die Linie und die Kontrolle. Zudem hat man bei der Geräuschkulisse ständig die Erwartung, dass sich gleich ein Laufrad verabschiedet oder der gesamte Rahmen auseinanderbricht. Deshalb immer schön den Druck halten und versuchen zu entspannen. Wir achteten darauf, dass wir uns nach den Pflasterabschnitten und Hellingen im Getümmel nicht verloren und warteten zur Not auf den jeweils anderen. Auch Freddie hatte sichtlich Spaß an dem Gerüttel und blieb so wie ich bis zum Ende der Ronde defektfrei! Die besonders steilen Hellingen wie Mur von Geraardsbergen, Koppenberg und Paterberg, mit teilweise 20% Steigung auf Pflaster, waren trocken und konnten gefahren werden. Man musste nur auf der linken Seite, durch die teilweise laufenden Radler, zirkeln. Nachdem wir 120km im Zick Zack durch die flämischen Ardennenbewältigt hatten, folgten nach dem Paterberg die letzten 20km Ausrollen in Richtung Ziel. Jetzt konnte man auf den geliebten Betonplatten die Beine leicht lockern und sich an einer Gruppe andocken. Mit leicht schmerzenden Gliedmaßen erreichten wir nach knapp 240km und 2200hm glücklich das sonnige Ziel in Oudenaarde. Da sag noch mal einer mit den ganzen Hellingen kommen keine Höhenmeter zusammen. Und wieder einmal war die Ronde mit Anfangs richtig flämischen Wetter ein wahrer Genuss. Das Profirennen am Folgetag war zusammen mit den geliebten Fritten und einen Sonnenplatz am Oude Kwaremont das Sahnehäubchen!

Olli's Aufzeichnung bei Strava