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Transalp von Mittenwald zum Gardasee

Einmal einen Alpencross fahren ist für viele Mountainbiker ein Traum. Diesen erfüllten sich Helma, Jürgen, Torsten und ich (Stevie). Weil wir noch keine Erfahrungen mit einer Alpenüberquerung hatten, vertrauten wir uns dem Veranstalter Alpenevent an. Diese bieten die Strecke als Variotour an, d.h. in drei Gruppen werden unterschiedliche Levels angeboten. Jürgen und ich fuhren komplett die schwere Variante und hatten am Ende in sieben Etappen 550 km und 14500 hm eingefahren. 

In diesem Jahr werden wieder einige BSLer diese Tour in Angriff nehmen. Der nachfolgende Bericht soll alle schon einmal auf diese wunderschöne Radreise einstimmen

1.Tag Mittenwald - Jenbach

Der Anreisetag verlief problemlos. Ohne Staus nach Mittenwald angereist. Einfaches aber schönes Zimmer in Privatpension. Abends im Ort gut gegessen bei Livemusi. Am Morgen gutes Frühstück, dann Abfahrt zum Treffpunkt ganz in der Nähe. Ein großer Teil ist schon da. Erst einmal Begrüßung,  Taschen kennzeichnen und verladen. Die erste Besprechung verläuft für mich überraschend. Außer mir meldet sich niemand für die schwere Tour. Dann kommt noch Jürgen, und Olli (der Ossi) dazu. Als alle Formalitäten erledigt waren, ging es endlich los. Wir fuhren flach Richtung Scharnitz auf Radweg durch Wald und Flur. Dann bogen wir in das Karwendeltal ein. Erst mit mäßiger Steigung, dann flacher. Immer wieder hielten uns traumhafte Ausblicke auf und luden zum Fotoshooting ein. Dann erreichten wir doch noch den ersten richtigen Anstieg. Gute 500 Hm trennten uns vom Karwendelhaus. Ich reihte mich ein und fuhr den ersten Berg gemächlich an. Am Ende wurde es mir aber zu langsam und ich trat etwas stärker in die Pedale, so dass wir, Jürgen und ich, zusammen als erste das Karwendelhaus erreichten. Kurze Rast. Einige tranken nur etwas, andere luden schon ihre Kohlehydratspeicher mit Pasta oder Kaiserschmarrn auf. Dann ging es weiter. Kurze Auffahrt, bevor wir in das Engtal auf schottriger Vorstraße abfuhren. Es ging leicht steigend weiter. Am Großen Ahornboden kurze Instruktion für den zweiten Aufstieg zum Plumsjoch. Dann fuhr jeder wieder seinen Tritt, so dass ich wieder in den vorderen Reihen oben ankam. Zweite Rast. Abfahrt mit Tobi, diesmal schwer zu fahrende schottrige Abfahrt. Unten angekommen noch ein wunderschönes Wegerl (Sinlgetrail) hinab zum Achensee. Die letzten rasanten Kilometer auf Straße oder Radweg nach Jenbach.

Bilder 1.Tag

2. Tag Jenbach - Breitlahner

Nach super Nacht und guten Frühstück im Jenbacher Hof erst durch das Inntal auf Straße einrollen. Dominik, unser Guide, bog dann ab nach Weer. Es sollte insgesamt 1740Hm hinauf zum Geiseljoch gehen. Gleich ging es mit 10% Steigung los, die auch nicht weniger werden sollten. Die ersten 300 Hm auf Straße bei schönen Wetter gestalteten sich problemlos. Man kurbelt so dahin. Dann weiter bis zu einem Kiosk, dort Rast mit Cappuccino, dann auf Schotter weiter im steiler werdend durch den Wald. An der Baumgrenze die Weidener Hütte, leider geschlossen wegen Umbau. Dort mussten wir eine Zwangspause wegen Gewitterschauer einlegen . Zum Glück waren wir an der Alm und konnten uns unterstellen. Die letzten 300Hm zum Geiseljoch fliegen wir. Oben als erster angekommen, leider wenig Sicht. Darum schnelle Abfahrt nach Lanersbach, Essen im 4-Sterne-Hotel, so nass und dreckig wie wir waren. Aber die Bedienung hieß uns trotz unseres Aussehens willkommen. Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es weiter auf Straße abwärts nach Finkenberg ins Zillertal. Von dort letzte Auffahrt (450HM) durch ein enges Tal zum Breitlahner, eine alte Zollstation. Hier erwartete uns ein uriges Zimmer mit Bett am Fenster und Wäscheservice.

Bilder 2.Tag

3. Tag Breitlahner - Sankt Lorenzen

Nach einem erlebnisreichen Abend und entspannter Nacht ging es erst im Wald, dann auf Straße hinauf zum Stausee (Schlegeisspeicher). Dort hinein in eine der schönsten Abschnitte der ganzen Tour. 500 traumhafte Höhenmeter trennten uns vom Pfitscher Joch. Herrliche Pfade, traillastig, immer wieder Kühe, die uns den Weg versperrten. Einige kurze Tragepassagen waren zu bewältigen. Dann grobschottrig bis auf  2280m. Oben in den Wolken war es richtig kühl. Gemeinsames Aufwärmen mit Cappu im Pfitscherjochhaus. Durch das schlechte Wetter in der Höhe wurden wir gezwungen, das Pfunderer Joch auszulassen. Also nach der Abfahrt mit Traileinlage nach Sterzing auf Straße entlang der Brennerautobahn ins Pustertal. In Mühlbach Rast. Dann mit der zweiten Gruppe gemeinsam nach Sankt Laurenzen geradelt. Abends Cappu im Ort bei herrlichem Sonnenschein. Das Hotel „Zur Sonne ***“ war echt Spitze.

Bilder 3.Tag

4. Tag Sankt Lorenzen - Rifugio di Fanes

Morgens bei schönem Wetter Start mit der ganzen Gruppe durch den Ort. Vorher noch ein Gruppenfoto mit der Hotelchefin. Dann schon die ersten 20%-Rampen, und das hieß dann „Einrollen“! An der Skistation Zum Kronplatz trennten sich aber schon unsere Wege. Wir fuhren als erste die steile Schotterauffahrt bis zum Plateau. Jetzt war klar warum es einrollen hieß. Es wurde einfach nicht flacher. 1300Hm mit etwa 10% im Mittel. Auf dem Gipfelplateau hatten wir es mit einem nicht auf Fremde eingestellten Hüttenwirt zu tun! Also nicht gleich die erste Hütte nehmen! Als wir dann gegen 12:00 Uhr das karge und zugebaute Skidorado verlassen wollten, fing die riesige Friedensglocke „Concordia“ an zu schwingen, um dann nach einigen Minuten in ohrenbetäubendem Läuten übergehend den Start zur Abfahrt markierte. Feiner plattgewalzter Schotter. Einfach geil. Der Giro war im Juli hier zum Bergzeitfahren. In San Vigilio erst einmal lecker Pasta und Cappu mit der zweiten Gruppe. Dann mäßig ansteigend bis zu einem kleinen Wegerl, immer parallel zur Straße, auf der uns die zweite Gruppe folgte. Wurzelpassagen und loser Schotter wechselten sich ab, immer begleitet von einzelnen Freudenrufen und den grandiosen Ausblicken auf die Dolomitenfelsen, hinauf zur Pederü. Ich wollte nicht warten, die Beine waren schon schwer, und fuhr direkt in den Anstieg. 500 Hm auf losem Schotter hinauf zur Fanes-Hütte. Viele Wanderer in grandioser Kulisse. Ich überholte Fahrer aus der ersten Gruppe. Dann schwenkte ich in das Tal in der die Hütte lag. Es fällt schwer, die passenden Worte für solch schönes Panorama zu finden. Am Abzweig erwartete mich Mirja und weist mir den Weg zur Hütte. Trotz oder gerade wegen des 10-Bett-Lagers die schönste Übernachtung auf der Tour.

Bilder 4.Tag

5. Tag Rifugio di Fanes - Moena

Es fällt schwer, diesen schönen Ort zu verlassen. Allerdings ist es kalt und wir stehen in den Wolken. Und zum Start geht es direkt hinauf zum Limojoch. Schrecklich steil und zum Einrollen am Morgen zu viel für alle. Wir steigen ab und schieben, da der Bock in den steilsten Passagen nur widerwillig seine Arbeit verrichtet und das Vorderrad immer Bodenkontakt verliert. Oben am Joch noch ein Gruppenfoto, bevor wir in mystischem Licht eingehüllt weiter in ein abgelegenes Hochtal abfahren. Dann kommt ein zweites Highlight. Der St.Kassian-Trail wird uns angekündigt. Für mich im oberen Teil nicht zu fahren. Die Steilheit und Stufen sind respekteinflößend. Unten wird es etwas besser, aber ich muss alle Fahrkünste aufbieten um auf dem Rad zu bleiben. Am liebsten wären wir alle noch mal raufgeklettert, so ein Spaß hat es allen gemacht. Wir fahren weiter auf Straße nach Armentarola um von dort auf Schotter ca. 570Hm hinauf zur Pralongia zu fahren. Im Rücken die grandiosen Dolomitengipfel, die wir zuvor verlassen haben. Auf der Höhe leider in Wolken gehüllt, zeigt sich die Sellagruppe immer wieder. An der Hütte Cappu und Kuchen, lecker. Abfahrt im Wald auf wunderschönen Wanderwegen. Einige Stürze auf in den Weg verbaute schräg liegende Balken. Dann kurz Straße, um in ein Wegerl abzubiegen. Einfach nur schöööööön. Unten im Tal Arabba. Der Bindelweg bleibt uns leider verwehrt, da das Wetter in den Gipfelregionen zu schlecht war. Wir fahren auf Straße zum Passo Pordoi. 9km, 630Hm mit 6,7% im Mittel. Oben mit Andy warten wir auf die anderen, um in eine der vielen Wirtschaften einzukehren. Lecker Pizza und Cappu wartet auf uns. Abfahrt abseits der Straße, trotzdem schneller als die Autos. Dann sind wir plötzlich in einer abgesteckten Downhillstrecke, die wir aber leider nicht fahren. Nach Moena dann auf flacher Piste im Wald. Wir steigen in einem sehr schicken Hotel ab. Uns wird wieder ein Wäscheservice angeboten, den wir dankend annehmen. Abends Sauna und Whirlpool und danach leckeres Abendessen und Weizen. Was kann es Schöneres geben.

Bilder 5.Tag

6. Tag Moena - Levico terme

Eigentlich war für heute die Königsetappe geplant. Doch wir haben Pech. Es regnet in Strömen. Also wird umdisponiert. Wir fahren 26 km auf gut ausgebauten Radwegen ins Tal. Nach 2 Minuten bin ich durch. Dann links abgebogen hinauf zum Manghen-Pass. Der Regen hört auf. 15km und 1100Hm weiter stehe ich ziemlich wackelig auf dem Pass. Also rein in die Hütte und aufwärmen. Cappu und Kuchen richten uns wieder auf. Um nicht mit trockenen Socken in die nassen Schuhe zu steigen, ziehe ich über die Socken Einmalhandschuhe. Prima Idee. Die Abfahrt ist auf Straße und etliche Km in die Sonne. Da wir die Marathonetappe nicht fahren konnten wollen wir experimentieren. Also wieder rauf in den Berg. Alles recht einfach zu fahren. Oben eine fast einsame Hütte mit Cappu und Strudel. Abfahrt mit 300 Hm Gegenanstieg. Helma ist fast am Ende. Dann die letzten 11km runter nach Levico lassen wir mal richtig gehen.

Bilder 6.Tag

7. Tag Levico terme - Riva del Garda

Das Hotel in Levico verdient den Namen Absteige, die schlechteste von allen Unterkünften.  Der Kaffee schmeckt irgendwie nach Klo und das Buffet ist naja. Dafür scheint die Sonne, also auf nach Riva. Zunächst einrollen, dann in den Kaiserjägerweg. 10km mit 900Hm, einfach nur schön die Ausblicke. Kleine recht stark befahrene Straße, immer wieder hupen die Einheimischen vor den zahllosen Kurven. Ist so Usus. Also klingel ich auch, hihi. Oben Warten auf die Anderen mit Dominik. Zur Überraschung kommen auch einige aus der ersten Gruppe vor unseren letzten an. Wohl Kräfte gespart für die letzte Etappe. Dann in den Wald auf die Marathonstrecke (Kaiserjägermarathon). In großen Teilen nicht einfach zu fahren. Auf Straße dann auf den Pso. Sommo, 300Hm lassen uns nur ein kleines Lächeln abgewinnen. Ruckzuck sind wir oben und laben uns an Baguette und Cola. Hinab nach Folgaria. Dann trennen sich unsere Wege. Wir fahren noch den Monte Finoncchio. 7km und 450hm. Ein letzter Kraftakt. Torsten ist kurz hinter mir, aber ich will als erster oben ankommen. Die Trailabfahrt wurde uns als sehr schwer angekündigt. Die Mehrheit will nicht, also Schotterabfahrt nach Rovereto. Lecker Eis, dann hinter der zweiten Gruppe hinterher. Richtung Mori packt alle noch mal das Rennfieber, wir kommen immer näher an die Gruppe heran, das Tempo so hoch, dass die Frankfurter aus der Gruppe fallen. Kurz vor Nago, stoßen alle Gruppen „zufällig“ zusammen. Wir fahren gemeinsam ab, an exponierter Stelle noch ein Gruppenfoto. Auf direkten Weg geht es in Riva an den Strand und ab in die Fluten. Danach ins Eiscafe Flora leckeres Eis und Espresso einverleiben. Das ham wa uns verdient. Das Abschlussessen am Abend war noch mal richtig geil.

Bilder 7.Tag

Morgens mit leichten Kater die Räder verpacken und Abschied nehmen. Trotz der verpassten Highlight’s in den Dolomiten eine traumhafte Tour, an die wir noch lange denken werden.

 

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