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Wie alles beginnt…

21.03.2015

Ein Tag, den man nicht vergisst. Udo Tanger steht mit den 11 Auserwählten von 4500 Bewerbern vor den Türen des Dr. Wollf-Instituts für die Präsentation des neuen Alpecin-Jedermann-Teams. Eine Saison wird er im Jedermann-Team wie und mit den Giant-Alpecin-Profis um Marcel Kittel und John Degenkolb fahren. Hier werden wir ihn begleiten und von seinen Stationen berichten.

Aber zurück zum ersten Tag. Nach der Vorstellung der Sponsoren und der Teilnehmer geht es zur großen Bescherung. Teambekleidung vom Helm bis zu den Schuhen gehören zur Ausstattung, genauso wie das Giant-Teamrad mit Leistungsmess-System. „Natürlich“ alles wie beim Profiteam. Udo fühlt sich wie im siebten Radhimmel. Es wird aber nicht nur abgeräumt, sondern die „Auserwählten“ müssen auch noch richtig schwitzen. Nach einem Mittagessen und Vorträgen muss Udo wie die anderen auch zur Leistungsdiagnostik. Durchgeführt vom Radlabor Stefan Zelle (amtierender deutscher Mountainbikemeister) werden 3-Minuten-Intervalle auf einem Ergometer mit jeweils 20 Watt Steigerung bis zur Leistungsgrenze („Kotzgrenze“) gefahren. 320 Watt Endleistung stehen als Istwert für Udo fest. Ein guter Ausgangswert mit Luft nach oben. Nach einer Verschnaufspause steht ein 5-Sekunden Maximaltest an. 1200 Watt leuchtet auf der Anzeige.

Ein paar Tagen darf sich Udo und das gesamte Team erholen, bevor es ins Trainingslager geht.


Trainingslager in Kaltern/ Südtirol

 

26.03.2015

Für ein erstes Trainingslager sollte es nach Kaltern/Südtirol gehen. Die ganze ca. 50!!-köpfige Meute, inklusive Manager Jörg Ludewig, setzte sich am Donnerstagabend bei Sturm und Regen in Richtung Süden in Bewegung. Am Brenner noch kalt und regnerisch, lockert das Wetter mit jedem gefahrenen Kilometer auf und in Kaltern steigen sie unter blauen Himmel aus den Fahrzeugen.

Zimmer inklusive Terasse und  Palmenblick beziehen und gleich die wunderschöne Gegend erkunden. Am Nachmittag, als alle eingetrudelt sind, offizielle Begrüßung, viele Gespräche und ein 5-Gänge Menü.

Der Samstagmorgen startet mit den täglichen Ausfahrten in verschiedenen Leistungsgruppen und unterschiedlichen Höhenprofilen. Für Udo wird es oft bergig. Unter anderem stehen Mendelpass und Gampenpass auf der To-Do-Liste. Für Udo gewöhnungsbedürftig, erstmals fährt er über 1,5 Stunden nur bergauf. Er genießt die Sonne und die Ausblicke ins Tal. Sein Trainingspensum und die Intensität werden von seinem Trainingsplan bestimmt, den Stefan Zelle erstellte. Die Trainingspausen werden für verschiedene Aktivitäten sinnvoll genutzt. Fast jeden Morgen gab es zum Frühsport Athletiktraining und Fahrtechniktraining mit Jörg Ludewig. Auch Vorträge füllen den Tagesablauf.

Unter anderem werden vorgestellt:
- Auswertung Leistungsdiagnostik-
- Besprechung des persönlichen Trainingsplans
- trainieren nach Wattmessung
- praktische Anleitung Intervalltraining mit Tim Böhme u. Stefan Zelle (waren immer vor Ort)
- Vortrag Pioneer Powermeter
- Vortrag zur richtigen Ernährung
- "Schrauberkurs und Bikewartung" von Giant

Genießen dürfen sie auch den technischen Support, z.B.  zwei Giant Mechaniker vor Ort mit Materialwagen.

Insgesamt war es eine überaus professionelle Woche mit sehr, sehr viel Input, auch durch Gespräche mit den "Allstars" der vergangenen Jahre, Tom Davis von Giant, Jens Vögele von Roadbike und verschiedenen anderen "wichtigen" Personen.

Die nächsten geplanten Events:
18.04. - Amstel Gold Race
24.05. - Rhön Marathon Bimbach
25.07. - 24h Rad am Ring
Anfang August - Alpencross
30.08. - Ötztaler Radmarathon


AMSTEL GOLD RACE 2015 – oder das Hinterrad vom Lude und SUNWEB

Udo und Jörg "Lude" Ludewig

Am Samstag, den 18.04.2015 stand für mich das erste Event für das Team Alpecin auf dem Programm. Ausgewählt war das Amstel Gold Race in Valkenburg/ Holland. Drei weitere Kollegen aus dem neu gegründeten Team standen ebenfalls am Start. Gebucht war die 150km -Strecke mit ca. 1800 Höhenmetern. Mit am Start aus dem Orgateam war u.a. unser sportlicher Leiter Jörg Ludewig, der ein besonderes Auge auf uns werfen wollte. Das stand fest. Ich gehe jedoch kurz einige Tage zurück:

Nach der grandiosen kick Off Veranstaltung in Bielefeld und dem Trainingslager am Kalterer See in Südtirol hatte ich noch ca. zwei Wochen Zeit um meinen Motor auf das bevorstehende Rennen zu starten. Bisher lief er ja noch mit bescheidenem Diesel. Mit den vielen Tipps der Betreuer, den Erkenntnissen der Leistungsdiagnostik und der Motivation aus Kaltern hatte ich die Hoffnung aus dem Selbstzünder einen agileren Fremdzünder zu machen ;-)

In der verbleidenden Zeit entschied ich mich für die vernünftige Variante „lockeres Training“ und vorwiegend „GA 1-Einheiten „  fahren. Hoffentlich die richtige..

Anreisetag war der Freitag vor dem Rennen. Mit einer sonnigen und lockeren Streckenbesichtigung mit Ziel auf dem Cauberg wurde schon mächtig Stimmung inhaliert.

Nach dem leckeren  Abendessen (Nudeln mit Sauce) im Hotel gab es dann die ersten Anweisungen und Tipps von unserem Exprofi Jörg Ludewig, ab jetzt gebührend „Lude“ genannt! 

Samstag um 5.30 Uhr aufstehen, Frühstück, hektisch „Geschäfte“ erledigen, ausgewählte Kleidung anziehen und um 7.00 Uhr mit dem Rad zum Start radeln. Am Start gab es noch einige Fotosessions und Interviews vom engagierten Filmteam. Nun konnte es langsam losgehen und die Anspannung stieg. Lude stimmte uns ein und gab die Empfehlung: Wir fahren in der Gruppe los und dann fährt jeder sein Tempo. Habt viel Spaß und kommt heil im Ziel an, dann ist alles „safe“.

Also starteten wir um 7.47 Uhr bei kalten 4 Grad und bestem Sonnenschein. Lude vorweg und ich hinterher. Nicht MEIN Tempo, das stand relativ schnell fest. Aber ich wollte nicht so früh abreißen lassen. Also Zähne zusammen beißen, Blick auf Ludes Hinterrad und  alles vergessen was ich bisher über Renntaktik dachte gelernt zu haben. In Lude‘s Windschatten wurden gefühlt alle anderen 15000 Starter zügig und ohne zu verschnaufen überholt. Ab hier war klar, der Leistungsmesser mit seiner Anzeige in Watt spielt heute keine große Rolle. Zumindest nicht in Form von cleverer Trainingskontrolle. Heute ist hoher Puls und Sauerstoffschuld zu erwarten. Für Lude wahrscheinlich eher GA 1 Einheit.

Ich konnte sehr gut die Fahrweise vom Lude beobachten und kam dadurch auch immer mehr meinem eigenen Tempo näher. Als die ersten Anstiege kamen, hab ich mich dann doch auf eine kontrollierte Fahrweise besonnen. Ansonsten würden die Kräfte nicht bis ins Ziel reichen, da war ich mir sicher. Ich bin die Steigungen dann in kleinen Gängen gefahren und habe mich auch an die Trittfrequenz meines „Lehrers“ orientiert. Also hohe Frequenz und gleichmäßig hoch kurbeln. Nun auch mit Blick auf die Wattmessung im Display (die Zahl 400 war trotzdem noch öfter zu sehen) des Pioneer Computers. Die Bestätigung kam dann auch prompt von Jörg. „ Genau so Udo, leichte Gänge, gleichmäßig hoch und Kräfte einteilen“. Gelernt habe ich auch, dass man die Anstiege bis 5 Meter hinter der Kuppe fährt und nicht vorher rausnimmt. So kann man einiges an Zeit sparen. Bisher von mir nicht wirklich beachtet worden. Inzwischen hatte sich noch ein netter Holländer Namens Peter zu uns gesellt und wir machten meistens zu dritt Tempo. Wobei ich glücklicherweise von der Führungsarbeit im Wind befreit war. Das war auch gut so, denn das wäre dann wohl ordentlich langsamer geworden. Die erste Verpflegungsstelle habe ich ausgelassen. Jörg und Peter wollten die Flaschen auffüllen. Ich sollte locker weiterfahren und auf sie warten. Jawohl, endlich locker radeln und ein wenig ausruhen. Bis der Wagen mit dem Kamerateam kam. Die wollten mich nun filmen. Bei dem Tempo?? Das sieht doch voll unsportlich aus, dachte ich mir. Also wieder Fahrt aufnehmen und wieder Druck aufs Pedal!! Hat aber auch ordentlich Spaß gemacht, das spornt richtig an!!

Fühlen sich Profis auch so??

Mittlerweile hat Lude wieder aufgeschlossen und es ging noch einige Zeit mit dem Kamerateam weiter. Nun hieß es gute Figur machen, locker gucken und schnell fahren. Wellig rollte es weiter bis zur zweiten Verpflegungsstation, wo ich mir nun meine Flaschen auffüllte und mir eine Waffel für alle Fälle eingepackte. Weiter ging‘s und das Motto lautete Endspurt. Jörg riet mir noch genügend zu essen, damit nicht noch kurzfristig der Stecker gezogen wird. Den Fehler habe ich früher auch öfter gemacht, zu wenig gegessen und viiiel zu wenig getrunken. Auch das konnte ich gut bei Lude beobachten, wann und wie oft er sich Nahrung zuführt. Auch hat er mir geraten nicht an  Anstiegen zu essen, sondern eher im flachen. Als nächstes noch die Wand vom Keutenberg  und weitere Wellen bezwingen und mit den gut eingeteilten Kräften über den stimmungsvollen Cauberg ins Ziel fahren. Völlig zufrieden und erleichtert wurden dann gleich mal eine Tüte holländische Fritten genossen :-)

Insgesamt ein für mich tolles Rennen, bei dem ich sehr viel vom „Meister“ gelernt habe. Einerseits von den vielen Tipps die er mir gegeben hat, andererseits durch einfaches beobachten

Und Spaß hat es mit Ihm auch noch gemacht :-) Was will man mehr??

P.S. SUNWEB ist die Werbung, die direkt am Ars.. der Radhose gelb leuchtet, also fast 5 Std. im Blick gehabt ;-)


Ich habe einen Traum !!

Ötztaler Radmarathon, 30.08. 2015

Der Slogan in Sölden ist nicht zu übersehen, auf dem Banner steht :

Ich habe einen Traum!

Mein Traum bestand darin den Ötztaler zu finishen und heil das Ziel in Sölden wieder zu erreichen. Ein weiterer Traum im Vorfeld war der Wetterwunsch. Dauerregen wäre meine persönliche Katastrophe !!

 

Im März 2015 stand für mich die Entscheidung fest, ich werde mich der Herausforderung stellen und beim Ötztaler antreten. Aufgabe ist es, die 238 km und 5500 hm in der maximalen Zeit von 13:45 Std. zu finishen. Auf der ToDo-Liste stehen die Pässe Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch. Eigentlich waren derartig lange Distanzen schon seit Jahren für mich Geschichte, bzw. standen noch nie auf dem Programm. Auf dem MTB habe ich mich bei Rennen schon seit 2013 auf die Kurzdistanzen gefreut. Das reichte mir vom Leiden her!! Ein anderes Problem war der Rücken, der zickte oft nach 2Std und machte nicht selten ein weiterfahren unmöglich. Daran war dieses Jahr nun zu arbeiten. Rücken stärken und „vernünftig“ trainieren.

Am Freitag vor dem Rennen bin ich mit meinem „Altherrenkollege“ Torsten angereist. Die erste Freude bei Ankunft war das Wetter: Kaiserwetter!!! Für Sonntag waren die Aussichten ebenfalls top, geil!! Die Hürde war schon mal genommen. Jetzt habe ich mir nur noch vorgenommen das Rennen so zu fahren, das ich einigermassen lebendig wieder ankomme und auch ein paar Eindrücke aufsaugen kann und es geniessen werde. Die Zeit sollte zweitrangig sein.

 

Die zweite Freude kam dann bei der Unterkunft, ein ganzes Haus nur für die „Alpecinis“. Bestehend aus dem aktuellen Jahrgang und einige aus den vergangenen Jahren. Die sogenannten Allstars. Die Stimmung ist bei solchen Teamtreffen immer grandios!!

Am Freitag und Samstag gab es noch kleine, lockere Ausfahrten und die Stimmung in Sölden geniessen. Im Prinzip waren an dem WE nur Radfahrer in dem Ort. Alles drehte sich nur um Radsport.

Samstagabend gab es noch ein paar gute Tipps von Jörg Ludewig und Tim Böhme (Radlabor) zur Renngestaltung und Ernährung. Auch der Ex-Profi Mario Kummer war wieder mit an Bord und hat mit seiner positiven Erscheinung uns ein wenig die Aufregung genommen. Ein sehr cooler Typ mit unendlich viel Erfahrung !!

Am Sonntag hieß es dann um 4 Uhr aufstehen, frühstücken, Rennklamotten an und zum Start rollen. Im Kopf nochmal alles durchgehen was ich mir so für den finalen Tag vorgenommen habe. Da wäre: Kühtai, Brenner und Jaufen gemäßigt angehen und nach Wattmesser fahren um am Timmelsjoch noch ausreichend Körner zu haben. Dann noch genügend trinken, auf Salze achten und mir bekanntes verträgliches ausreichend essen.

Um 06.45 Uhr fällt der Startschuß und die Meute macht sich ca. 30km bergab  Richtung Oetz auf den Weg. Das Tempo ist hoch aber das Feld ist durchaus diszipliniert unterwegs. Das kennt man ja auch anders. In Oetz geht es rechts ab, Richtung Kühtai hoch. Mit Blick auf den Wattmesser (max.240 Watt) trete ich den Pass gleichmäßig hoch. Alles läuft gut, oben kurz die Flaschen wechseln und runter zum nächsten Anstieg, dem Brenner. Hier habe ich mir vorgenommen eine Gruppe zu suchen und wichtige Körner sparen. Das klappt auch sehr gut und mit einer zügigen Gruppe geht es relativ schnell den Brenner hoch. Verpflegung an der Labestation und ab geht es in die nächste Abfahrt zum Jaufenpass.

Das Wetter ist mehr als schön, mittlerweile schon richtig warm und wolkenlos.

Als nächstes  stand dann der Jaufenpass auf dem Plan. Am Passanfang war noch alles im grünen Bereich. Es stellten sich mit der Zeit die ersten Nebenwirkungen dieser Ausfahrt ein. Der Rücken fing an zu zwicken, am linken Fuß hatte ich das Gefühl das die Schrauben der Schuhplatten sich in den Ballen bohrten und der Magen fing an zu rebellieren. Das machte mir am meisten Sorgen, es fühlte sich so an als wäre die Magenklappe ein Katapult geworden und flüssiges und festes würde sofort nach Verzehr wieder nach draußen geschleudert werden. Irgendwie bleib es aber drin und ich kurbelte gleichmäßig mit jetzt noch max. 200 Watt zur Passhöhe.

Die nächste Abfahrt auf relativ schlechter Strecke verlief noch mit vollem Tatendrang. Es war ja nur noch ein Pass zu bezwingen.

In St.Leonhard ging es dann bei angeblichen 38 Grad langsam aber sicher den letzten Pass hoch. Nach ca. 2 Kilometern war es dann soweit, der Körper und der Geist streikt. Nichts geht mehr, anhalten war angesagt. An einem kleinen Gebirgsbach holte ich mir kühles Wasser und kühlte meinen mittlerweile heißgelaufenen Kopf auf angenehme Betriebstemperatur runter. Ein Gel und ein Brezel mit ordentlich Salz sollten genügen um es wieder zu versuchen.

Nach ca. 20 Minuten setzte ich mich wieder aufs Rad kurbelte gaaanz langsam weiter Richtung Traum. Am Strassenrand wurde es auch immer skurriler.

Da saßen einfach Leute, welche mit Krämpfen geplagt, andere lagen auf Wiesen (zum Teil am kotzen) und wieder andere schoben das Rad den Pass mit leerem Blick hoch. Das war der Pass der Leidenden!!

Die nächste Labestation wurde ausführlich zum tanken genutzt. Insgesamt gesehen haben mir bei den letzten beiden Verpflegungen am Timmelsjoch die Wassermelonen und die Orangenstücke den Arsch gerettet.

Keine Ahnung wieso, aber ich habe die Früchte gesehen und war wie besessen die in Rekordzeit zu vertilgen. So langsam kam wieder Leben in den Körper zurück. Ich genoss die einmaligen Ausblicke auf den letzten Kehren und dann hing da der Banner :  „da hast du nun deinen Traum“

Ungelogen, 20 Meter vor der Kuppe bekam ich Krämpfe in beiden Beinen und auf der anstehenden Abfahrt konnte ich die Beine kaum in die nötige Kurvenaussenseite drehen. Unglaublich, jetzt kam noch der kurze Gegenanstieg mit ca. 150 hm. Irgendwie ging das auch noch und es folgte die geilste Abfahrt meines Lebens, Richtung Sölden.

Nach 10:34 Stunden Bruttofahrzeit war das Ziel in Sölden wieder erreicht. Für mich stand fest, das brauche ich nicht mehr !! Mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher  ;-)

 

Kann man einen Traum denn überhaupt wiederholen ??

 

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