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Lüttich-Bastogne-Lüttich mit Oliver Nolte

die ersten Kilometer im Regen
schmerzvolle Rampen satt
zweite Luft, das Ziel rückt immer näher...

Die "Doyenne" (die Älteste), wie sie liebevoll genannt wird, erfährt ihre 101. Austragung im belgischen Lüttich. Nicht nur die Profiteams fahren diesen Klassiker. Es wird auch eine "Jedermann-Challenge" angeboten. Oliver Nolte, der im letzten Jahr schon bei der Ronde van Vlaanderen dabei war, hatte sich gut auf diese Herausforderung vorbereitet. Hier sein Bericht:

"Ich kam bei strahlendem Sonnenschein, am Vortag der Lüttich Bastogne Lüttich Challenge, im Mutterland des Radsports an und machte mich sofort auf eine gemütliche Einrollrunde um die Beine nach der Autofahrt wieder in Schwung zu bringen. Das Wetter war, genau wie die Gegend in der ich gelandet bin, traumhaft. Die Wetteraussichten für den kommenden Samstag waren allerdings nicht sehr rosig.

Pünktlich wie mein Wecker fing es nach dem Aufstehen auch schon leicht an zu regnen. Ich machte mich nach dem Frühstücksmüsli trotzdem voller Vorfreude auf den Weg nach Lüttich. Gegen 06:30 Uhr startete ich mit hunderten von Radlern auf die Langdistanz von 273km und 4651hm. Der Regen störte nicht wirklich, da die Temperaturen zweistellig waren und ich motiviert bis in die Haarspitzen. Nachdem wir in der Dämmerung den Stadtkern von Lüttich verlassen hatten, war ich bereits komplett durchnässt. Ich suchte mir absichtlich keine Gruppe und fuhr im Flachen und den ersten Anstiegen mein Tempo. Es ging mit leichten Gegenwind und beständigen leichten Regen südlich in Richtung Bastogne. Nach 112km war Bastogne und somit die Kehrtwende erreicht.

Die Anstiege waren bis jetzt sehr angenehm zu fahren. Zwar deutlich länger als im Lipperland aber immer im einstelligen Steigungsbereich. Doch wie mir Ricardo (war ein Jahr zuvor die Tour gefahren) berichtet hatte, sollte die eigentliche Arbeit erst noch kommen und er sollte schmerzhaft Recht behalten. Der Regen machte eine Pause und es ging mit Rückenwind wieder Richtung Norden. Der Geist schöpfte neue Kraft und gab den Beinen Schub. Der erste Côte kam nach 130km. Bei diesen Côtes handelt es sich um 1 bis 4,5km lange Rampen mit Steigungen bis zu 21%. Diese fiesen Teile machten mich echt fertig. Ich wünschte mir eine dreifach Kurbel und eine MTB Kassette. Die jetzt folgenden 143km beinhalteten 8 dieser Côtes. Trotz der reichhaltigen belgischen Köstlichkeiten an den Verpflegungsstellen und des wieder einsetzenden Regens war nach 190km ein mentales und körperliches Tief bei mir erreicht. Jetzt hieß es kämpfen und versuchen positiv zu denken. Die Abfahrten ließen meinen entkräfteten und nassen Körper vor Kälte bibbern. Nach dem Côtes de La Redoute bei Km 226 ließ sich die Sonne blicken und es wurde warm. Die Strecke war jetzt voll mit den anderen Fahrern der Kurz- und Mitteldistanz. Das Ziel war nicht mehr fern und die Kraft kam mit der Wärme zurück. An den Anstiegen wurden wir von campierenden Fans aus aller Welt angefeuert. Die letzten zwei Côtes wurden noch einmal mit ordentlich Druck gefahren und das fiese belgische Kopfsteinpflaster auf dem Weg zum Zielort tat jetzt mal richtig weh! Nach 10 Std. 1Min und 45Sek hatte ich fertig und glücklich das Ziel erreicht. Nachdem das Rad verladen war, ging es zum Stärken schnell zur nächsten Friteria :-)

Und wieder einmal ein belgischer Klassiker den man auch bei schlechten Wetter absolut empfehlen kann. Lütich-Bastogne-Lütich war das bis jetzt härteste Langstreckending was ich gefahren bin und wahrscheinlich auch fahren werde!

Das Profi-Rennen am folgenden Tag war wieder einmal ein absolutes Erlebnis! Unglaublich wie die Jungs diese Rampen hochfliegen und die Belgier den Klassiker als ein Volksfest feiern und die Leistungen der Radfahrer würdigen. Radsport hat in diesem herrlichen Land einen ganz anderen Stellenwert! 2016 wird es wieder flacher und Pavé-lastiger.

Der nächste Klassiker nach Roubaix ist gepinnt!"

 

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